hallesche huette kleinFrüher war unsere Sektion Eigner verschiedener Hütten in den Alpen. Zur Auswahl standen ursprünglich vorrangig 6 bis 7 Positionen in Südtirol - die Mehrzahl davon in den Dolomiten. Doch örtlicher Wassermangel, Lawinengefahr oder die Nachricht, dass die Konkurrenz schon am Bauen war, machte die meisten Pläne zunichte. Übrig blieb, unterstützt durch

einen Vorschlag seitens des berühmten Südtiroler Pioniers der touristischen Alpenerschließung Theodor Christomannos, in der Ortlergruppe höher zu bauen als die anderen; und so entstand am Eisseepass, oberhalb der Schaubachhütte in Sicht des Ortlers in 3133m Höhe die erste Hallesche Hütte, die 1897 eröffnet wurde.

» Manfred Haringer schreibt dazu: "Im Sommer 1895, vor 118 Jahren, wurde der Grundstein gelegt, die Fertigstellung des Hauses war für 1896 geplant, doch Schlechtwetter verzögerte die ausgesetzten Arbeiten. Der Bau wurde erst 1 Jahr später fertig. Am 20.8.1897 erfolgte die Einweihungsfeier, eine 3-tägige Feier mit Festessen in der Schaubachhütte Sulden und im neuen Schutzhaus am Eisseepass. Daran nahmen über 100 Festgäste bei Böllerschüssen, Ansprachen und am Abend mit Bengalischem Feuer teil. Der Hüttenwirt Peter Paul Pohl aus Kastelbell (Großvater von Hubert Pohl Köflguathof) in Kastelbell, der Tourismuspionier Theodor Christomannos, zahlreiche D.u.Ö.AV-Sektionen sowie 6 Abgeordnete des italienischen CAI (Club Alpino Italiano) nahmen daran teil."

FUKALA alte Vioz Htte klSie sollte Ausgangspunkt werden für eine dem Südkamm der Ortlerberge in Richtung zum Matteo (3692 m) folgende Hüttenkette, von der immerhin auf halbem Wege die Monte-Vioz-Hütte in sogar 3535 m Höhe im August 1911 durch unsere Sektion fertig gestellt werden konnte. Sie war damals die höchste bewirtschaftete Hütte der Ostalpen. Heute im Besitz des ital. Alpenvereins CAI, Sektion Pejo.FUKALA heute Vioz H kl

Dann kam der Erste Weltkrieg 1914-1918 und unsere beiden Hütten lagen im Frontgebiet, welches ab 1918, wie ganz Südtirol, in italienischen Besitz kam. Die Monte-Vioz-Hütte blieb erhalten, während die größere Hallesche Hütte am Eisseepass in den letzten Kriegstagen nach Abzug der österreichischen Gebirgstruppen abbrannte. Manfred Haringer gibt dazu folgende Anmerkungen:

"Am 3.5.1915 brach der 1. Weltkrieg aus, bei dem auch das Schutzhaus als wichtigster Stützpunkt in der hochalpinen Gletscherregion des Cevedal diente. 74 Soldaten wurden 42 Monate lang in der Hütte einquartiert, um von hier aus zur vordersten Kriegsfront am Langfernerjoch zu gelangen, damit dieses ausgebaut, befestigt und armiert werden konnte. Vor feindlichem Beschuss vom Zebrutal und Hochjoch her wurde die Hütte durch eine massive Natursteinmauer von 4 m Breite und 5 m Höhe geschützt. Während dieser Zeit wurde östlich eine externe Feldküche, eine Feldschmiede und ein Vorratsraum angelegt, dadurch steigerte sich die Übernachtungsmöglichkeit der Soldaten.

Hier in der Halleschen Hütte fand während des Krieges der große Himalaya-Forscher und Expeditionsleiter G.C. Dyrenfurth seinen Aufenthalt. Alpinreferenten, bedeutende Geologen und Schilehrer wie Georg Bilgherie und Dr. Albrecht Spitz veranstalteten Schikurse und Gletscherlehrgänge. Am letzten Kriegstag, dem 3./4, November 1918, geht das Schutzhaus in Flammen auf ...was laut italien. Buchautor Luciano Viazzi im Buch "Guerre solle vette" den Italienern zuzuschreiben ist. Als die österr. Truppen laut ihrem Befehl abgezogen waren (man hörte noch ihre Stimmen im Nebel), durchstöberten die Alpini die Hallesche Hütte....und wie Viazzi weiter vermerkt, wurde die Hütte von nachrückenden Einheiten, die dort genächtigt hatten, abgefackelt. - Seither gibt es die Hüttenruine am Eisseepass in 3133 m, wo jährlich 100-te Touristen vorbeiziehen und die wenigsten eine Ahnung haben, was hier gestanden und welche Bedeutung das Schutzhaus hatte."

zittelhaus kleinAuf der intensiven Suche nach einer neuen Bergheimat hatte endlich unser langjähriger Sektionsvorsitzender, der Mediziner Prof. Otto Kneise, 1925 Erfolg. Es gelang ihm der Ankauf des » Zittelhauses von der Sektion Salzburg. Die neu erworbene Hütte - malerisch gelegen auf dem „Hohen Sonnblick“ (3106m) - ist Teil der Hochgebirgsregion „Hohen Tauern“ und liegt in Sichtweite östlich vom Großglockner.

Das Zittelhaus gehörte der Sektion Halle formal bis zum Jahr 1978, seit 1984 übernommen von der Sektion Rauris des OeAV.

An die Tradition unserer Halleschen Hütte am Eispass erinnert am historischen Standort seit dem 31. Juli 2011 - dem 125-Jährigen Jubiläumsjahr unserer Sektion - dieser Obelisk. Die Aufnahme wurde von unserem Ehrenmitglied Manfred Haringer gemacht, der hierzu schreibt:

Obelisk Gebet klein

"Nur durch die Freunde des AVS Martell unter Erwin, Peter und Adolf Altstätter konnten wir mit großer finanzieller Unterstützung, Kameradschaft und einem Hauch von Patriotismus dieses Werk gemeinsam angehen und vollenden. Nicht zu vergessen dabei die fleißigen Maurer Roman und Oswald Eberhöfer sowie Stricker Markus aus Morter. Einen großen Dank auch an alle, die für uns gesorgt, aufgekocht und tatkräftig mitgeholfen haben, so Michael Stricker, Evelyn Altstätter, Michael Holzer, Roman Ratschiller, Walder Josef sowie meine Freunde aus Schlanders, Hanspeter Schönthaler und der 13-jährige Fabian Laduner.

Möge dieses "steinerne Mandl" am Eisseepass mit seinen aussagekräftigen Tafeln unsere gemeinsame Vergangenheit widerspiegeln und unsere Deutsch-Tiroler Geschichte für die nächsten Generationen wachhalten. Denn wie heißt der sinnliche Spruch "...wer die Geschichte kennt, braucht sich vor der Zukunft nicht zu fürchten"...!
In diesem Sinne gilt allen mein aufrichtiger Dank und meine Anerkennung. Berg Heil"