Jeder Hunderter von Nordhausen nach Halle hat sein individuelles Profil hat, trotz der bisher meist identischen Streckenführung. Unterstrichen wird diese Aussage zudem von einem Konflikt, der vor allem kleinere, also nur von einer oder von wenigen Personen veranstaltete Hunderter betrifft:

Denn damit der Veranstalter, resp. Wanderleiter für den jeweiligen Teilnehmer am jeweiligen Ziel eine Urkunde über die zurückgelegte Strecke ausstellen kann, muss er die vom Wanderer zurückgelegte Strecke auch nachvollziehen können.

Bei einer geführten Tour, so wird der Leser meinen, ist das ja überhaupt kein Problem, weil Wanderleiter und Teilnehmer zusammen, also in einer Gruppe gehen. Was aber, wenn die Tempowünsche bzw. das Leistungsvermögen der Wanderer sehr unterschiedlich sind? Da sind Konflikte vorprogrammiert: Wer also besonders schnell wandern möchte, ist geneigt, der Gruppe weit vorauszugehen. Da wird die notwendige Kontrolle durch den Wanderleiter mitunter schwierig. Und das vor allem dann, wenn der schnelle Wanderer die Strecke schon kennt und über viele Stunden kein Blickkontakt zwischen ihm und dem Wanderleiter besteht.

In den vergangenen Jahren hat sich dieser Trend zum individuellen Wandern durch das GPS weiter verstärkt. Natürlich könnte der Wanderleiter jeden Teilnehmer individuell gehen lassen.

Aber das muss nicht gut sein:

Man bräuchte sich dann zum Beispiel nur noch am Start zu sehen oder aber gar nicht. Dann würde einfach ein Starttag festgelegt. Jeder Wanderer startet zu einer ihm genehmen Uhrzeit, Nach Zielankunft mailt der Teilnehmer dem „Wanderleiter“ seinen GPS-Track als Nachweis über die gewanderte Strecke und letzterer verschickt anschließend die Urkunden per Mail an die Teilnehmer. So sähe der Extremfall des „organisierten“ Wanderns im Digitalzeitalter aus. Geprägt vom Imdividualismus, stünde der Name einer Veranstaltung nur noch auf dem Papier und das Gruppenerlebnis, welches mit dem sportlichen Genuss beim organisierten Wandern quasi untrennbar verwoben ist, würde weitestgehend aussterben.

Bei den von mir geführten bzw. veranstalteten Hundertern versuche ich gemeinsam mit den Teilnehmern Kompromisslösungen zu finden.

Beim Südharz-Hunderter „verhindern“ die für die Verpflegung ausersehenen Gaststätten ein zu starkes Auseinanderdriften des meist kleinen Teilnehmerfeldes. Zudem wird künftig eine langsamere und eine schnellere Wandergruppe mit 5 km/h bzw. 6 km/h Wandergeschwindigkeit angestrebt, gerechnet ohne Pausen. Denn meist überwiegen, so auch beim 35. Südharz-Hunderter, die eher schnellen Sportfreunde, was die langsameren von einer Teilnahme abschrecken könnte. Das ist übrigens ein grundlegendes Problem bei geführten Wanderungen.

Eine Sonderregelung gibt es insbesondere ab Kilometer 80 (Aseleben). Bisher war es so, dass ich die Urkunden bereits in der dortigen Frühstücksgaststätte ausstellte im Vertrauen darauf, dass die Teilnehmer auch tatsächlich die verbleibenden 20 km bis Halle-Nietleben auf der vorgesehenen Strecke zu Fuß zurücklegen.

Nach einem bestimmten Vorkommnis musste diese Praxis unbedingt geändert werden. Teilnehmer, die auf den letzten 20 Kilometern mit 6 km/h unterwegs sein wollen, müssen mir seit dem 35. Südharz-Hunderter ca. alle 5 km aussagekräftige Fotos als Nachweis schicken. Nur dann wird deren Leistung auch offiziell gewertet. Die langsameren, mitunter auch neuen Teilnehmer indes wandern mit mir. So haben auch sie eine Chance, nicht selten zum ersten Mal, 100 km am Stück zu wandern.

Diese Vorgehensweise wird von der offiziellen Wertungsstelle für >/=100 km-Nonstopwanderungen beim SWBV in Sachsen gedeckt.

Bodo Schwarzberg, Nordhausen