„Malepartus, sein Schloss, hat er verlassen und baut sich
Eine Klause zur Wohnung. Wie er so mager geworden,
Bleich von Hunger und Durst und andern strengeren Bußen,
Die er reuig erträgt, das werdet Ihr selber erfahren.“

Auszug aus „Reinecke Fuchs“ von Johann Wolfgang Goethe 1794

Zurück zur Gegenwart, … ganze 225 Jahre später dürfen wir, Roland und Tanja auf Einladung von Lutz Berthold (meines Rad‘lfreundes seit 40 Jahren) wieder mit schneegierigen alten Hasen der Sektion Halle auf der Malepartus Hütte weilen, vom 18.-20.01.2019.

Nicht ganz so zeitig wie geplant trafen wir Freitagnachmittag auf der Hütte ein, ursprünglich wollte ich nur mal schnell+kurz auf den Brocken, doch es reichte nur um die Schneeverhältnisse zu erkunden. Nach kurzem Check-In und einem Käffchen & Panettone ging‘s raus. Die klare Luft, Ruhe vor dem Zivilisationslärm, nur einzelnes Vogelgezwitscher, das Knirschen des Schnees unter den Füßen, … tun uns gut. Schon treffen wir auf andere unserer Gruppe, welche wir aus den Jahren zuvor kennen. Am Horizont zeichnet sich ein toller Sonnenuntergang und schon wird es kälter, wir kehren um. Fazit: Schnee reicht aus, nur die Kleidung vielleicht nicht.

Auf der Hütte treffen bald alle Wander- und Skifreunde aus Halle und Umgebung ein. Völlig ungezwungen reihen sich alle an Tischen zum Abendessen ein.

Nach der Begrüßung durch Lutz wird auch das Wochenend-Programm vorgestellt, alles Organisatorische geklärt. Gleich anschließend Treff vor der Hütt’n zur zünftigen Fackelwanderung durch die nächtliche Winterlandschaft Richtung Dreieckiger Pfahl. Und damit ihr’s wisst: „Nicht auf die Loipenspuren treten!“ Das ist zwar nicht sooo weit, dafür mit Glühwein am Wendepunkt. Hier konnten wir sogar ein Winter-Heinzelmännchen des Nationalparks beobachten, … mit vier großen leuchtenden Augen – die Pistenraupe beim Spuren der Loipe.

Zurück in der Hütte nimmt die Unterhaltung ihren Lauf, schließlich haben wir uns z.T. zwei Jahre nicht gesehen und wer verreist, kann bekanntlich viel erzählen. Vitamine, Knabbereien, Schokis und „vergorene“ Getränke machen die Runde. So nach und nach, verkriecht sich ein Jede/r in sein Schlafgemach und mancher hilft dem Forst beim Aufarbeiten Friederikes Hinterlassenschaften vor einem Jahr.
Samstag in der Frühe, Aufstehen, Waschen, Zähneputzen, schön in Ruhe Frühstücken, nur nicht den Start der eigenen Gruppe (09:30 - 10:00 Uhr) verpassen! Kleiner Trost von Lutz: „Es sind nicht mehr -10°C wie heute früh, es ist inzwischen um zwei Grad wärmer geworden“. Hurra! Vor dem Haus schnell ein Gruppenfoto geschossen. Ob der Farbfilm auch richtig eingelegt war? Und schon stiefeln die ersten los, die Skifahrer der leichten & exponierten Runde und die Wandergruppe. Letzterer schließen wir uns heuer mit dem Ziel Brocken an. Auf den kann ich nicht verzichten, auch wenn das Wetter mal nicht passen sollte. Doch auf meinen Fotoapparat kann ich nicht verzichten. Da der Akku rot blinkt, gebe ich der Gruppe 30 Minuten Vorsprung. Dann starte ich, wie immer wenn alleine gelassen ziemlich schnell und muss alsbald wärmende Utensilien im Rucksack verstauen. In der Ferne traue ich meinen Augen nicht, mitten am Berg, die Wanderer kommen nicht vorwärts. Rutschen sie? Ja, ein kleiner Schierker Feuerstein hilft immer und gegen alles, … u.a. Wegrutschen, in den Schnee fallen, … oder mit anderen Worten: DER gehört dazu! Diesmal von Lutz auf schwebender Ski-Bar präsentiert.

Oben am Neuen Goetheweg vor den Gleisen der Brockenbahn war ganz schön viel los, viele Schwitzende, Sonnenbadende und auf der Lauer des nächsten heranschnaufenden Zuges liegende Fotografen. Mit unüberhörbarem „Tut-tut“ nähern sich dicke Rauchschwaden. Bald war auch ich versorgt von Fotos samt Gestank und wir liefen weiter, denn vom Rest der Gruppe ist noch keiner oben. Gleich nach der Kurve, erblicken wir den Gipfel mit Aufbauten fest im frostigen Würgegriff. Höhe Knochenbrecherkurve ist es wie üblich ganz schön glatt. Kurz bevor wir oben ankommen, schauen wir den beidseitig am Weg Hexen beim Wintertanze zu. Die nächste Brockenbahn fährt auf Gleis 2 ein und ich schaue der Lok ins Feuermaul. Tanja erblickt die anderen der Wandergruppe. Wir knipsen noch einige Fotos, wärmen uns im Touristensaal kurz auf und rollen langsam bergab Richtung Schierke. Von Lutz hatten wir den Tipp über den „Eckerlochsteig“ zu gehen, auch wenn dieser am Wochenende einer Ameisenstraße gleicht. Bergab in riesen Schritten kein Problem, bergan blieben zahlreiche schnaufend stehen und ließen uns gewähren. Selbst unten am Teufelssteig an der Brockenstraße kommen noch zahlreiche Bergler entgegen. Ob die heute noch oben ankommen und absteigen wollen? Kurz nach dem Querweg über das Schwarze Schlupfwasser und die Kalte Bode kommen uns auf der Sandbrinkstraße die Skifahrer der leichten Runde auf deren Rückweg entgegen. In Schierke unternehmen wir gleich im erstbesten Lokal den Versuch uns zu stärken. Naja, Kaffee & Kuchen gehen ja noch. 14:45 Uhr treten wir den Rückmarsch an, geschätzte 8 km. Lang bergauf und -ab zieht’s sich über Sandbrinkstraße, Toter Weg, Grenzweg (hier absolute Ruhe) zum Dreieckigen Pfahl. Kurz davor treffen wir die letzte Gruppe, die Skifahrer der exponierten Runde. Schnellen Schrittes geht’s ein Stück gemeinsam weiter. Am Brockenfeld nochmals über den Zaun geschaut und den Rückblick auf den Brocken genießen. Es dämmert langsam und die blaue Stunde tritt ein, das gibt schöne Fotos.

Pünktlich 18:30 Uhr beginnt die große Zeremonie des Nudelkochens samt Vorbereitungen. Knobi, Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Wurst etc. sind zu schnippeln. Jeder hat etwas dazu mitgebracht. Und damit das ganze gut gelingt, wird erstmal mit einem Glase Rotwein angestoßen. Und Rudi Knoblich rührt kräftig die Spaghetti im größten Topf um. Diese schmecken diesmal irgendwie besser als sonst, danke! Dann wird aufgetischt und das Große Nudelessen kann beginnen. Nicht wie sonst, bleiben diesmal keine Nudeln übrig, nur etwas von der Soße. Naja, die Jugend wird’s schon schaffen.

Wie üblich hat Werner Wolf ein Quiz vorbereitet und stellt allerhand Fragen. Trotz versteckter Tipps gab es am Ende keinen Sieger mit voller Punktzahl. Dafür mehrere mit 10 und 6 Punkten, von denen der Gesamtsieger und Luser durch Stechen ermittelt wurde. Es hat wie immer großen Spaß gemacht, war wissenswert und entfachte weitere Diskussionen.

Jetzt gab es den Nachtisch bzw. Nachtrunk, einige Flaschen Glühwein mit Orangen. Die letzten Schokis und Nüsse wurden ausgebreitet und es wurde geschnattert, getrunken, … und Lutz & Christine zeigten Bilder von ihrer Lapplandreise mit zahlreichen Husky-Touren bei -30°C. Der Abend wird sehr lang, der Glühwein alle, die Gesichter müde, die Runde der Ausharrenden immer kleiner.

Irgendwie treffen am Sonntagmorgen doch alle zum gemeinsamen Frühstück ein. Nach dem individuellen Packen und Verstauen der sieben Sachen geht’s ab zur letzten Runde. Die einen zum Achtermann, wir nutzen die Gelegenheit der Entfernung für einen Abstecher nach Wernigerode. Dort erfreuen wir uns der zahlreichen Fachwerkhäuser z.T. mit Holzfiguren und des Anblickes vom Schloss. Bei schönstem Sonnenschein kann man von der Terrasse aus gut bis zum Brockenturm schauen. Nach dem Mittagessen fallen wir noch über eine Bäckerei herein und treten die Rückreise an.

Fazit vom Wochenende: Malepartus in der Runde gefällt mir immer mehr! Ein herzliches Dankeschön allen, die dazu betrugen!
Heuer bin ich schon zum fünften Mal hier und ich komme gerne wieder, Tanja ist gleicher Meinung.

Roland Pretsch
Sektion Gera des Deutschen Alpenvereins e.V.

Hier eine Zugabe der exponierten Skiläufer:

Früh sollte es für die exponierten Skiläufer mit Frank, von den Hildesheimer Bergfreunden, um 9:30 Richtung Schierke losgehen. Der Start verzögerte sich, da noch weiter Skifreunde aus Hildesheim zustoßen wollten, die aber auf Grund der guten Winterwetterlage bei der Anreise im Stau standen. So warten wir und es ging dann für alle um 10:00 in die Loipe. Am Dreieckigen Pfahl trennten sich dann die Wege, die Exponierten aus Halle (Detlef und Axel) nahmen den bestens präparierten alten Kolonnenweg um den Winterberg herum. Es ging dann vom Ulmer Weg, über den Toten Weg an den Schlupfwiesen vorbei nach Schierke. Beim Brockenbäcker trafen wir auch die Hildesheimer wieder. Zur Stärkung gab es Kaffee und ein Stück leckere Brockentorte. Der Rückweg gestaltete sich ähnlich, vorbei am Parkhaus in Richtung Winterberg. Da es wieder bergauf ging rasteten wir noch in einer kleinen Schutzhütte, nahmen eine kleine Stärkung zu uns und fuhren entlang des Wurmberges. Von hier sahen wir in der Ferne der Brocken mit der Brockenbahn. Bei schöner Nachmittagssonne erreichten wieder unserem Ausgangspunkt.

Axel Neukirchner
Sektion Halle des Deutschen Alpenvereins e.V.