logo hist skl20180803 212433 klDie nunmehr 12. Auflage dieser inzwischen zum Klassiker gewordenen Extremwanderung über 147 km "Der ganze Harz von West nach Ost" fand wie »ausgeschrieben am 3. August statt. Und diesen Erlebnisbericht sandte uns der Organisator Bodo Schwarzberg:

Es war 13:40 am gestrigen Sonntag, als wir den Bahnhof in Lutherstadt Eisleben erreichten.

Nach einer kurzen Pause in einer Wimmelburger Tankstelle hatten wir die letzten vier Kilometer über den aufgeheizten Beton der ehemaligen B80 und das Eisleber Stadtgebiet hinter uns gebracht. Der 12. Harz-Hunderter Extrem von Seesen in Niedersachsen über den Harz nach Eisleben war damit Geschichte.

Acht Starter hatten sich in diesem Jahr an die schwierige Tour unter Federführung der DAV-Sektion Halle gewagt, auf der mit Ausnahme von 4 Gaststätteneinkehrern, jeder sein Essen und Trinken selbst tragen muss, bei mir waren das acht Kilo.

Drei Teilnehmer entschieden sich für die 48 Kilometer-Route von Seesen zum Brocken und damit für den schwierigsten Abschnitt der Langstreckenwanderung, zwei planten von vornherein die Gesamtstrecke von 147 Kilometern bis Eisleben ein, ein weiterer wanderte über 100 Kilometer von Seesen nach Straßberg und zwei Starter stießen auf dem Brocken zu uns, um 100 Kilometer bis nach Eisleben mitzuwandern.

Die zu erwartende Hitze trübte zunächst etwas die Vorfreude auf die Tour, aber im Schatten der Harzwälder ließ es sich doch besser, als zunächst gedacht, aushalten. Dennoch rannen reichlich Wasser, Bier, Cola und Säfte durch unsere Kehlen. Ich schätzte meinen eigenen Bachwasser klVerbrauch auf 20 Liter in 40 Stunden. Die Gedanken an die ausreichende Getränkeversorgung prägten die Veranstaltung in diesem Jahr besonders. Wasser aus Harzbächen wurde ergänzend eingesetzt, teils mit Entkeimungstabletten abgesichert.

Elf Kilometer nach dem Start in Seesen um 21:30 am Freitag erreichten wir die Gaststätte Zwergenstübchen in Lautenthal. – Beinahe hätte es nicht geklappt mit der Einkehr: Der Wirt hatte uns erst am Sonnabend erwartet, wir kamen aber schon am Freitag. Da die Wanderung drei Tage berührt, kommt es u.U. zu solchen Verwechslungen. Zweimal verliefen wir uns durch kleinere Unachtsamkeiten in der ersten Wandernacht, einmal, weil ein altbekannter Wegweiser fehlte. Dennoch waren wir gegen 9:30 am Sonnabendmorgen pünktlich auf dem höchsten Harzgipfel und hatten den schwierigsten Abschnitt der Tour und bereits knapp ein Drittel der Gesamtstrecke hinter uns gebracht.

Die Bahnhofsgaststätte hatten wir um diese Zeit noch fast für uns allein, nur der Stammtisch der Brockenwanderer war bereits besetzt. „Schichtwechsel“: Drei Seesen-Starter nahmen erschöpft und glücklich ihre Urkunden in Empfang, zwei, Dr. André Petrasch und Detlef Koch, stießen ausgeschlafen zu uns.

20180804 113202 klBeim Abstieg durch das Eckerloch trafen wir, wie immer schwer mit Autogramme schreiben beschäftigt, Brocken-Benno. Vor genau einem Jahr absolvierte er den 8.245. Aufstieg, am Sonnabend war es der 8.536. Nur fünf Tage im Monat ist Benno in den vergangenen 365 Tagen also nicht auf seinen Berg gestiegen. Auch diesmal hatte er wenig Zeit. Er musste eine Gruppe des Alpen-Vereins hinaufbegleiten.

In Schierke gab es für uns Langstreckler noch eine Einkehr beim Bäcker und im Supermarkt, dann folgte der 43 Kilometer lange Abschnitt über Elend, Königshütte, Trautenstein, Stiege, Güntersberge nach Straßberg über die Harzer Hochebene, nur unterbrochen durch ein paar kühle Biere und Schorles in Trautenstein. Das zweite Abendbrot der Tour in Straßberg pünktlich um 22:30 zu erreichen, ist hoch wichtig für uns vor der zweiten schlaflosen Nacht. Auf unsere Pünktlichkeit legen die Wirtsleute großen Wert, da sie nur wegen uns noch auf den Beinen sind. - Wir Wanderer müssen uns entsprechend anstrengen.

Eine gegenüber 2017 zwischen Straßberg und Dankerode optimierte Route verhinderte einen so großen Verlaufer wie in der zweiten Nacht damals. So konnten wir das sonntägliche Frühstück in Grillenberg (km 126), selten genug, diesmal tatsächlich pünktlich zwischen 7 Uhr und 7:30 erreichen. Gegen 8:45 begaben wir uns auf den letzten, knapp fünfstündigen Abschnitt der Strecke…

Mit Christiane Grammlich aus Kreischa bei Dresden (geb. 1974) erreichte zum zweiten Mal eine Frau beim Harz-Hunderter Extrem von Seesen aus das Ziel in Eisleben. Zudem ist sie der 17. Teilnehmer(in), der die Gesamtstrecke geschafft hat.

Und nun noch die aktuellen Ergebnisse:

Seesen-Brocken (48 km): Marienfeld, Jan (geb. 1970); Scherlies, Dirk (geb. 1964), Pabst, Uwe (geb. 1964)

Seesen-Straßberg (100 km): Hollerbuhl, Lutz (geb. 1977)

Seesen-Eisleben (147 km): Grammlich, Christiane (geb. 1974), Schwarzberg, Bodo (geb. 1964)

Straßberg-Eisleben (100 km): Petrasch, André Dr. (geb. 1955), Koch Detlef (geb. 1950)

Damit gibt es außer dem Wanderleiter bisher niemanden, der die Gesamtstrecke bisher mehr als einmal absolvierte. Auch im kommenden Jahr wird es wieder einen Harz-Hunderter Extrem geben. Dann könnte der Harz zum zehnten Mal in seiner ganzen Länge durchquert werden.

Bodo Schwarzberg