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Ehrenmitglied 2001

Manfred Haringer wurde am 23.11.1959 in Schlanders im Vinschgau, Südtirol, geboren. Er wuchs auf dem Bauernhof seiner Eltern zusammen mit seinem vier Jahre älteren Bruder in der Gemeinde Latsch auf. Nach der Grund- und Mittelschule absolvierte er die 2-jährige Landwirtschaftsschule in Auer bei Bozen und schloss sie mit Diplom ab. 1979/80 wurde er zum Militärdienst einberufen und meldete sich sogleich zu den Fallschirmspringern, da er durch seinen Bruder, der bereits zu dieser Zeit mit einem der ersten Flugdrachen des Vinschgaus durch die Lüfte segelte, den „Flugvirus“ in sich trug. Diesen Traum konnte Manfred Haringer allerdings erst nach seiner Militärzeit verwirklichen, hat ihn dann aber lange Zeit ausgiebig und ohne größeren Crash genossen.

 Beim Militär aber entschieden höhere Gewalten zunächst anders und er kam als Funker nach Schlanders in die Kaserne, wo er das Glück hatte, dass seine Wünsche nach Freiheit in der Natur Gehör fanden. Er konnte im Aosta-Tal einen Skilehrerkurs besuchen und kam danach in die Sella-Gruppe und auf die Marmolada (Dolomiten), wo er seine Alpin-Ausbildung mit Gletscher-Lehrgängen und Kletterkursen fortsetzte und zum Militär-Bergführer befördert wurde. Als solcher nahm er an Hubschrauber-Rettungsübungen teil und führte Schauübungen für hohe Alpini-Offiziere durch. Er stieß dann beim Militär zur Sport-Langlauftruppe am Tonalepass, da ein Athlet ausgefallen war. Anfangs war die 30 km Strecke für ihn eine arge Tortur, aber mit der Zeit und eisernem Willen konnte er mit der Elite Schritt halten. Bei den NATO-Weltmeisterschaften in Toblach (Pustertal) belegte Manfred Haringer mit seiner Mannschaft den 6. Platz. Das war für den Vinschgauer ein besonderer Erfolg, kamen doch von den zehn Läufern acht aus Südtirol. Nach diesem sportlichen Höhepunkt ging er nach Schlanders zurück und wurde Langlauflehrer im Schnalstal, wo ihm auch die Dorfkinder anvertraut waren. Nebenbei unternahm er mit seinem Hauptmann Capitano Alberici anspruchsvolle Skitouren und Gipfelbesteigungen, die ihm große Erfüllung abseits des eintönigen Kasernenlebens brachten. Immer hatte er seine Mundharmonika dabei, es gab Unterhaltung und Heiterkeit, auf den höchsten Bergspitzen der Alpengipfel.

Haringer1 kl1985 heirateten Manfred Haringer und Roswitha Gamper, die Familie ließ sich endgültig in Göflan nieder und hier wurden ihre zwei Töchter geboren. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in Schlanders als Schulwart und führt, wie er überzeugend sagt, ein ausgefülltes und glückliches Leben. Wer ihn besucht, findet seine Aussage bestätigt. Vor allem dann, wenn er sein Lächeln aufsetzt, den Besucher mit einem Glas Wein begrüßt oder mit seiner Oldtimer-Vespa durch die Gassen von Göflan braust.

Als Südtiroler ist Manfred Haringer inmitten hoher Berge in einer großartigen Landschaft aufgewachsen, von der wir alpenfernen mitteldeutschen Bergfreunde nur träumen können und von der wir glauben, dass sie bei der Schöpfung vom Herrgott bevorzugt worden ist. Mit seinen Dorfkameraden und Arbeitskollegen unternahm er meist am Wochenende Gletschertouren in die nahen Berge, wodurch seine Liebe zur Heimat entdeckt und geweckt wurde. Zum anderen hat auch sein Großvater als k.u.k. Kaiserschütze maßgeblich bewirkt, dass er sich seiner zweiten großen Leidenschaft, der Aufarbeitung des Gebirgskrieges 1915-1918 an der Ortlerfront widmete. Haringer ist so Heimatforscher und Dokumentarist geworden und konnte neben anderen Kriegsrelikten über 1000 Bilder, Front-Tagebücher, Akten und Befehlsbücher aus dieser Zeit zusammentragen. Zu den wertvollsten Kostbarkeiten seiner Sammlung zählt er allerdings die Gespräche, die er mit ehemaligen Soldaten des Gebirgskrieges noch hat führen können. Diese verschiedenen „Puzzlesteine“ ergaben ein reales Gesamtbild des Hochgebirgskrieges in allen seinen Bereichen.

Haringer3 kl Unter hohem Zeitaufwand, mit Leidenschaft, Können und Akribie hat Haringer an der Rekonstruktion der Militärgeschichte dieser Zeit mitgewirkt und als Verfasser an diversen Publikationen mitgearbeitet. Wo man auch hinkommt, auf den Kriegerfriedhof von Spondinig, ins Martelltal auf die Zufallhütte, nach Sulden auf die Schaubachhütte oder in das großartige Meraner Museum „Touriseum“ im Schloß Trautmansdorf, überall trifft man auf die Forschungsergebnisse unseres Ehrenmitgliedes. Man findet dort moderne Dokumentationen und Schautafeln über den Gebirgskrieg oder man steht staunend vor dem naturgetreuen und maßstabgerechten Modell einer Schutzhütte, von denen er bereits dreizehn verschiedene Exemplare angefertigt hat.

Wenn man Haringer zu Hause besucht, wird man zum Schluß in sein Heiligtum geführt, ein schlichtes Holzhäuschen im Garten. Dort ist sein Arbeitsplatz, inmitten von alpinistischen Antiquitäten, Foto´s, Werkzeug, Bildern, Bastelmaterial, Bauplänen usw. Ein Refugium, ein Raum mit der besonders intensiven Atmosphäre eines Menschen, der hier mit Herz arbeitet. Hier entstehen in den langen Wintern seine künstlerisch gestalteten Modelle längst verschollener Südtiroler Schutzhütten, detailgenau nachgebaut im Maßstab 1:50 entsprechend den vergilbten Bauplänen. Sein Können wird von verschiedenen deutschen Alpenvereinssektionen, die ihre Hütten durch die Abtrennung Südtirols im Lauf der Geschichte verloren haben, hoch geschätzt. Hier hat Haringer auch das Modell der Halleschen Hütte gebaut, die, von unserer Sektion auf dem Eisseepass (3133m) errichtet, dort von 1897 bis 1918 gestanden hat. Das Modell ist heute in Meran zu bewundern.

Unsere außerordentliche Wertschätzung von Manfred Haringer kam zum Ausdruck, als die Mitgliederversammlung ihn im Jahre 2001 zum Ehrenmitglied erwählt hat. Durch seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit Helga und Prof. Dr. M. Reichstein, mit denen er sich gemeinsam um die Wiederentdeckung unserer Sektionsgeschichte außerordentliche Verdienste erwarb, hat sich eine lebendige Verbindung zu unserem fast vergessenen historischen Arbeitsgebiet in der Ortler-Region hergestellt. Dort, wo unsere Großväter vor über 100 Jahren die Hallesche Hütte und damalige Monte Vioz Hütte erbaut haben, hält unser Ehrenmitglied die Erinnerung wach, auch durch seine intensive Mitarbeit an der Vorbereitung auf den 125. Geburtstag unserer Sektion im Jahre 2011.

Ernst Fukala