Der Beitrag "Der Verein in der Gesellschaft" im DAV Panorama, Heft 1/2019 erfuhr durch unseren Sektionshisoriker »Ernst Fukala eine "Ostdeutsche Anmerkung":

Die gut gelungene DAV-Geschichte „Der Verein in der Gesellschaft“ kann aus ostdeutscher Erfahrung ergänzt werden:

In der Nachkriegszeit haben sich in der Sowjetischen Besatzungszone DAV-Sektionen energisch um die Wiederzulassung bemüht, allerdings vergeblich. In Westdeutschland haben „Exilsektionen“ jenseits des Eisernen Vorhanges das Fähnlein der im Osten verboten gebliebenen Vereine hochgehalten, was nicht vergessen werden darf.

In den 1960er Jahren hat es eine Nationalmannschaft Alpinistik in der DDR gegeben, die staatlich gefördert wurde. Nach dem Tod vierer Mitglieder am Eiger 1967 wurde die Unterstützung eingestellt, auch weil in diesem Leistungssport international keine von der Sportführung geforderten Medaillen zu gewinnen waren. Fortan war der Bergsport im Osten eine eher geduldete Disziplin, was ihm staatliches Doping und Leistungsdruck erspart hat.

Viele regimkritische Bergsportler sind in der DDR nicht notgedrungen den Betriebssportgemeinschaften beigetreten, sondern haben individuell ihre Touren in privaten Gruppen, einer sehr großen DDR-Nische, durchgeführt. Wegen der bürokratischen Hürden und mangelhaften Infrastruktur waren das immer riskante und abenteuerliche Unternehmungen, verbunden mit großer Lust an der Provokation des doch nicht allmächtigen Staates und mit einem hohen „Freiheitsgrad“, insbesondere die illegalen UdF-Reisen* durch die Sowjetunion.

Die Wiedergründungen der fast ein halbes Jahrhundert verbotenen Sektionen in den neuen Bundesländern, erfreulich unkompliziert unterstützt vom Hauptverein in München, waren ein wichtiger Teil der Befreiung nach der friedlichen Revolution. Einige alte Bergfreunde, deren Mitgliedschaft in Zeiten des Kalten Krieges hatte ruhen müssen, holten ihre fast vergessenen Ausweise hervor und haben den Wiederaufbau tatkräftig unterstützt.

Ernst Fukala

* Klauß, C. u. Böttcher, F. (Hg.): Unerkannt durch Freundesland, 2011, Berlin, Lukas Verlag