Ein kurzer Abriß zur Geschichte der Sektion

Am 14. Mai 1886 erfolgte die Gründung unserer Sektion durch die Universitätsprofessoren Wangerin und Lastig mit 22 Bergfreunden im Rahmen einer Versammlung im Hotel "Stadt Hamburg".

Es waren darunter viele bekannte Bürger der Stadt Halle (Saale) (z.B. Albert Steckner, Karl Knapp, Gustav Staude, Prof. Dr. Genzmer, Dr. Niemeyer, Prof. Dr. Hans Carl Müller, Gottfried Riehm, Alfred Wessner, Joachim Ahlemann), so dass schon ab einem Stand von etwas über 150 Mitgliedern, was heißt nach etwa 5 Jahren, an einen Hüttenbau gedacht werden konnte.

Zur Auswahl standen vorrangig 6 bis 7 Positionen in Südtirol, die Mehrzahl davon in den Dolomiten.
Doch örtlicher Wassermangel, Lawinengefahr oder die Nachricht, dass die Konkurrenz schon am Bauen war, machte die meisten Pläne zunichte. Übrig blieb, unterstützt durch einen Vorschlag seitens des berühmten Südtiroler Pioniers der touristischen Alpenerschließung Theodor Christomannos, in der Ortlergruppe höher zu bauen als die anderen; und so entstand am Eisseepass in 3133 m Höhe die erste Hallesche Hütte, die 1897 eröffnet wurde.

Sie sollte Ausgangspunkt werden für eine dem Südkamm der Ortlerberge in Richtung zum Matteo (3692 m) folgende Hüttenkette, von der immerhin auf halbem Wege die Monte-Vioz-Hütte in sogar 3535 m Höhe im August 1911 durch unsere Sektion fertig gestellt werden konnte.
Sie war damals die höchste bewirtschaftete Hütte der Ostalpen.

Dann kam der Erste Weltkrieg 1914-1918 und unsere beiden Hütten lagen im Frontgebiet, welches ab 1918, wie ganz Südtirol, in italienischen Besitz kam. Die Monte-Vioz-Hütte blieb erhalten, während die größere Hütte am Eisseepass in den letzten Kriegstagen nach Abzug der österreichischen Gebirgstruppen abbrannte.

Auf der intensiven Suche nach einer neuen Bergheimat hatte endlich unser langjähriger Sektionsvorsitzender, der Mediziner Prof. Otto Kneise, 1925 Erfolg, denn es gelang ihm damals von der Sektion Salzburg der Ankauf des Zittelhauses auf dem Hohen Sonnblick (3106 m) in den Hohen Tauern in Sichtweite östlich vom Großglockner.
Diese Hütte gehörte der Sektion Halle formal bis zum Jahr 1978.

Doch die Rahmenbedingungen waren nach dem 2. Weltkrieg kompliziert, denn ab 1945 wurde durch die Alliierten der Deutsche Alpenverein aufgelöst.
In Westdeutschland gelang durch die ausgewanderten Hallenser die Gründung einer Exilsektion bei Frankfurt/Main, welche das Zittelhaus bis zum Jahre 1984 halten konnte.

Nach der Wende erfolgte die Wiedergründung unserer Alpenvereinssektion endlich in Halle selbst am 7. Juni 1990 mit 80 Mitgliedern. Inzwischen ist die Mitgliederzahl nach dem Stand von Anfang 2004 kontinuierlich auf ca. 750 gestiegen und das Sektionsleben pulsiert. Die Traditionspflege hat gute Kontakte zu den ehemaligen Arbeitsgebieten und den einheimischen Bergfreunden in den Hohen Tauern und am Ortler in Südtirol wieder hergestellt.


Dr. Ernst Fukala