Nach der Wiedergründung unserer Sektion 1990 interessierte ich mich für „alte Sachen“ unserer Sektion und wurde an Prof. Dr. Manfred Reichstein verwiesen. Denn er „hütete den Schatz“, der auf eine fast wunderbar zu nennende Weise auf uns übergegangen war. Durch Reichsteins wissenschaftlichen Drang und persönliche Verbindungen zur Universitäts- und Landesbibliothek waren Dokumente aufgefunden worden, die aus der Gründungszeit der Sektion Halle a. d. Saale des DAV stammten und den Krieg sowie die Verbotszeit des DAV in der DDR unversehrt überdauert hatten.

Mit einem außerordentlichen Forscherdrang, mit Fleiß und Akribie stürzte er sich mit seiner Frau Helga, beide waren mittlerweile unsere Ehrenmitglieder geworden, in die archivarische Arbeit. Sie haben die Bestände gesichtet, geordnet und in unzähligen Vorträgen und Beiträgen für das Mitteilungsblatt und Festschriften für uns aufgearbeitet. Aber nicht nur unseren Mitgliedern wurde die Geschichte des Alpenvereins, der Hütten- und Wegebau im Ortlergebiet und in den Hohen Tauern nahegebracht. Durch die Vielfalt des Materials aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, das in vielen Sektionen verlorengegangen ist, konnte Manfred Reichstein darüber z. B. in Südtiroler Zeitschriften und Verlagen publizieren, den Bau historischer Hüttenmodelle anregen, Alpinhistorikern Dokumente und Museen Exponate zur Verfügung stellen, wie die prächtig verzierte Titelseite des ersten Hüttenbuches der Halleschen Hütte, die in Meran im „Touriseum“ zu besichtigen ist.  

Für die Aufbewahrung der Akten hatte Familie Reichstein über viele Jahre hin ihre Wohnung bereitgestellt, wo mich unsere „Ehrenarchivare“ in das Material eingewiesen haben und wofür ihnen der Dank der Sektion gebührt. Da sie sich mit zunehmendem Alter dieser Belastung nicht mehr aussetzen wollten, haben sie dem Vorstand vor zwei Jahren die Frage nach dem Verbleib der Archivalien auf Dauer gestellt. Um zu einer sachgerechten Entscheidung zu kommen, wurde der Rat des Historischen Alpenarchivs des Hauptvereins in München eingeholt und in diesem Jahr beschlossen, das historisch wertvolle Archivgut im Stadtarchiv Halle (Saale) einzulagern. Dafür sprachen vor allem zwei Gründe: Die Möglichkeit des öffentlichen Zuganges und die fachgerechte Lagerung, beides in der Geschäftsstelle nicht durchführbar. Im August wurde durch Rudolf Knoblich, den Ersten Vorsitzenden, und Herrn Jacob, Leiter des Stadtarchivs, der Depositalvertrag unterzeichnet und das Archivgut übergeben. Das Depositum bleibt im Besitz unserer Sektion und wird vom Archiv fachgerecht auf Dauer aufbewahrt.

Die historischen Archivalien bestehen aus Vereinsakten der Jahre 1901 bis 1926, die zum großen Teil handgeschrieben und geheftet sind, z. T. auch lose abgelegt wurden. Daneben gibt es Schriftgut und Architekten-Zeichnungen zum Bau der Halleschen Hütte ab 1895 und der Monte Vioz Hütte mit den zuführenden alpinen Wegen. Des weiteren sind die fünf Hüttenbücher der Halleschen Hütte von 1897-1914, sowie ein Hüttenbuch des Zittelhauses 1909-1921 erhalten. Als bisher einziges Sachobjekt liegt der originale Druckstock mit dem Signet der Sektion aus den 1920er Jahren vor.
Jedes Mitglied unserer Sektion und Alpinhistoriker aus aller Welt haben die Möglichkeit, die schriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit unserer Sektion im Stadtarchiv einzusehen.


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